woman_bowl_1476.jpg

Schwangerschaftsdiabetes aktiv entgegensteuern

Bei knapp 4 Prozent der Schwangeren in Deutschland wird der Schwangerschaftsdiabetes festgestellt – die Dunkelziffer liegt viel höher. Doch das ist kein Grund zur Besorgnis, denn sie haben es selbst in der Hand, das Risiko einer Schwangerschaftsdiabetes zu reduzieren. Lesen Sie hier, wie.


Bei rund 4 Prozent der werdenden Mütter wird ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt. Schätzungsweise tritt er bei 2 bis 14 Prozent aller Schwangeren auf, bleibt aber bei vielen unentdeckt. Der Grund: Der Blutzuckertest im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge gehört zu den freiwilligen IGEL-Leistungen, wird also nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. In der Folge macht nicht jede Schwangere diesen Test. Umso wichtiger ist es, sich selbst aktiv vor Schwangerschaftsdiabetes zu schützen.

Wie entsteht Schwangerschaftsdiabetes?

Das Hormon Insulin ist dafür verantwortlich, den überschüssigen Zucker zu verstoffwechseln, den der Körper nicht braucht. Wenn in der Schwangerschaft der Zuckerstoffwechsel aus dem Lot gerät, können die Hormone die Übeltäter sein. Denn Schwangerschaftshormone wie Östrogen, Plazenta-Laktogen und Gestagene beeinflussen auch den Energiestoffwechsel. Gerade ab der 2. Hälfte der Schwangerschaft können sie die Insulin-Produktion empfindlich stören. Die Folge: Der Blutzuckerspiegel steigt an, es kommt zum sogenannten Schwangerschaftsdiabetes.

Schwangerschaftsdiabetes tritt vor allem im letzten Trimester der Schwangerschaft auf.

Besonders anfällig für Schwangerschaftsdiabetes sind beispielsweise übergewichtige Frauen, Mütter, die bereits in einer früheren Schwangerschaft Diabetes hatten, Schwangere über 30 oder Frauen, bei denen Diabetes mellitus in der Familie liegt. Um einen möglichen Diabetes frühzeitig zu erkennen, ist es ratsam, zwischen der 24. Und 28. SSW den oralen Glucose-Toleranztest (OGTT) zu machen. Spätestens nach der Geburt  verschwindet der Schwangerschaftsdiabetes aber auch schnell von selbst, sobald sich der Hormonhaushalt wieder einpendelt.

Wie wirkt sich Schwangerschaftsdiabetes aus?

Trotzdem sollte man Schwangerschaftsdiabetes nicht leicht nehmen. Bleibt er unerkannt, so kann er langfristig einen zu hohen Blutdruck bewirken. Er erhöht das Risiko einer Harnwegs- oder Scheidenentzündung, was wiederum vorzeitige Wehen auslösen kann. Zudem sind Kinder diabetischer Mütter deutlich schwerer bei der Geburt. Denn ein erhöhter Blutzuckerspiegel der Mutter erhöht auch den Blutzuckerspiegel ihres Ungeborenen, sodass das Baby kontinuierlich zunimmt. Man spricht hier von der sogenannten „Zuckermast". Überdurchschnittlich schwere Neugeborene haben wiederum ein erhöhtes Risiko, im Erwachsenenalter an Übergewicht zu leiden sowie an einem Typ­2­-Diabetes zu erkranken. Aber keine Sorge – ein Schwangerschaftsdiabetes ist sehr gut zu behandeln und Sie können ihm selbst sehr wirksam vorbeugen.

Wie beugen Sie Schwangerschaftsdiabetes vor?

Die wirksamste Maßnahme gegen Schwangerschaftsdiabetes – egal ob Sie zu einer Risikogruppe gehören oder nicht – ist eine optimale Ernährung in der Schwangerschaft. Ernähren Sie sich gesund und ausgewogen und sprechen Sie, wenn Sie unsicher sind, mit Ihrer Hebamme. Wenn Sie zu viel Gewicht mit sich herumtragen, sollten Sie schon vor der Empfängnis abnehmen, denn während der Schwangerschaft sind Diäten tabu. Schon einige Pfunde weniger aber können das Risiko, an Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken, deutlich senken. Sind Sie bereits schwanger und haben Übergewicht, so wäre es ideal, bis zur Geburt nicht mehr als 7 Kilogramm zuzunehmen.

Wie bekommen Sie Heißhungerattacken in den Griff?

Erfahren Sie hier, wie Sie Heißhunger auf Süßes in der Schwangerschaft in den Griff bekommen.

Was tun, wenn Schwangerschaftsdiabetes festgestellt wird?

Auch wenn  bei Ihnen bereits ein erhöhter Blutzuckerspiegel festgestellt wurde, sollten sie auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten, um Ihren Diabetes unter Kontrolle zu halten. Das ist sehr wichtig - auch, wenn die meisten Babys von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes gesund zur Welt kommen. Ihr Arzt wird Sie beraten.

Mit der richtigen Ernährung ist der Blutzucker schon bei 85 Prozent aller Schwangerschaftsdiabetikerinnen gut eingestellt. Nur bei ca. 15 Prozent der Frauen ist zusätzlich eine Insulinbehandlung erforderlich. Der Arzt wird Ihnen außerdem ausreichend Bewegung empfehlen.

Ideale Sportarten für Schwangere

Für Schwangere ideale Sportarten wie etwa 30 Minuten leichtes Ausdauertraining am Tag senken den Blutzuckerspiegel.

Eine gesunde Ernährung reguliert wirksam den Blutzuckerspiegel

Sie können Schwangerschaftsdiabetes mit der richtigen Ernährung aktiv entgegensteuern. Vor allem sollten Sie konsequent zuckerhaltige Lebensmittel meiden. Kohlenhydratreich zu essen, ist in Ordnung. Sie sollten dabei aber ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornbrot, Getreideflocken, Naturreis, Vollkornnudeln, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst bevorzugen. Diese werden langsamer verdaut, so dass die enthaltenen Kohlenhydrate verzögert ins Blut gelangen. Dagegen lassen ballaststoffarme Getreideprodukte wie z.B. Weißbrot oder Brötchen den Blutzucker anschnellen und sollten deshalb vom Speiseplan gestrichen werden. Empfehlenswert ist außerdem das Verteilen  der kohlenhydrathaltigen Lebensmittel auf 5 bis 6 kleine Mahlzeiten,. Damit können Sie den Blutzuckeranstieg nach den Mahlzeiten begrenzen. Informieren Sie sich am besten in unserem Bereich „Ernährung", wie Sie sich während der Schwangerschaft optimal ernähren.

Glücklicherweise verschwindet Schwangerschaftsdiabetes mit Unterstützung der richtigen Maßnahmen nach der Geburt meist ebenso schnell wieder, wie er aufgetreten ist. In vielen Fällen hinterlässt er sogar positive Spuren: ein besseres Bewusstsein für eine gesunde Ernährung.

Haben Sie Fragen?

Aptawelt Elternservice Logo

Das könnte Sie auch interessieren