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Ihre Gefühle nach der Geburt: Babyblues & Bonding

So individuell, wie jede Schwangerschaft verläuft, so individuell sind auch die Emotionen nach der Geburt. Viele Frauen empfinden nur Freude und Glück. Und genauso normal ist es, wenn die Gefühle verrücktspielen.


Endlich ist Ihr Baby auf der Welt! Vor Ihnen liegt eine emotional tief greifende und wunderschöne Erfahrung: die Phase des intensiven Kennenlernens und der damit verbundenen intensiven Gefühlsentwicklung zu dem kleinen Wesen, für das Sie jetzt verantwortlich sind. Experten nennen diese ganz enge emotionale Verbindung zwischen Mutter und Kind „Bonding".

Bonding – eine besondere Bindung

Der Auftakt des Kennenlernens und des Bondings ist im idealen Fall bereits der erste Körperkontakt nach der Geburt. Viele Frauen erleben es als überwältigendes Gefühl der Liebe und Zärtlichkeit, das sie überschwemmt, sobald ihr Baby zum ersten Mal in ihre Arme gelegt wird: Man möchte alles tun, um sein Kind zu beschützen und glücklich zu sehen. Eine Rolle spielen hier die Hormone Oxytozin, Prolaktin, Endorphine und auch Adrenalin, die direkt nach der Geburt ausgeschüttet werden und für strahlende Glücksgefühle sorgen – die beste Vorbereitung für dieses erste Kennenlernen. Deshalb raten Experten auch zum Körperkontakt zwischen Mutter und Baby schon in der ersten Stunde nach der Entbindung – noch im Kreissaal, in ruhiger Atmosphäre und bei gedämpftem Licht.

Aber keine Sorge, wenn das Bonding in der Hektik des Kreissaals zu kurz gekommen ist. Das Ereignis der Geburt sollte diesbezüglich nicht überbewertet werden. Bonding ist ein Prozess und braucht Zeit. Oft fühlt man sich nach der Geburt auch einfach nur erschöpft, zerschlagen und bedrückt. Gerade 2 bis 3 Tage danach finden sich viele Frauen in einem Wechselbad der Gefühle. Auch das ist ganz normal und kein Grund zur Beunruhigung.

Bonding braucht Zeit

Eine tiefe Bindung zu Ihrem Baby entwickelt sich ganz allmählich in den ersten Wochen und Monaten.

Babyblues ist nicht ungewöhnlich

Meist sind am sogenannten Babyblues nur die Schwangerschaftshormone schuld, die nach dem großen Ereignis rapide absinken. Die Plazenta, die während der Schwangerschaft sehr viele Glückshormone produziert hat, ist nicht mehr da: Die Endorphinproduktion geht drastisch zurück, der Östrogenspiegel normalisiert sich wieder auf „nicht schwanger". Diese hormonellen Umstellungen sind nicht einfach zu verarbeiten. Vom Babyblues sind zwischen 50 bis 70 Prozent aller Frauen betroffen. Manche Mütter können kaum aufhören zu weinen, sind gereizt und überaus sensibel. Andere fühlen sich wie betäubt und unendlich müde.

Neben der körperlichen Anstrengung ist auch die emotionale Belastung sehr groß. Vielen Müttern wird erst nach der Entbindung der Grad der neuen Verantwortung richtig bewusst – und der erscheint in diesem Moment überwältigend hoch. Sie haben Zweifel, ob Sie ihrem Baby und den eigenen hohen Ansprüchen an die Mutterrolle ein Leben lang gerecht werden können. Hinzu kommt oft noch der massive Schlafmangel, der zermürben kann. Falls es Ihnen so gehen sollte, denken Sie daran: Sie sind nicht allein. Oft hilft es schon, diese Gefühle nicht zu verstecken, sondern offen darüber zu reden.

So können Sie als Partner helfen

Der Babyblues verschwindet meist so schnell wie er gekommen ist, und ein „Fremdeln" zwischen Mutter und Kind verwandelt sich in der Regel mit den Wochen und Monaten in eine tiefe Verbundenheit.  Sie als Partner können viel tun, um diesen Prozess des Bonding zu unterstützen. Ihre Frau ist erschöpft, verunsichert oder fühlt sich von ihren Gefühlen nach der Geburt überfordert? Sprechen Sie mit ihr darüber. Seien Sie für sie da und zeigen Sie ihr, dass Sie sie verstehen. Denken Sie daran, was für eine enorme Leistung der Körper Ihrer Partnerin in den letzten Monaten erbracht hat. Er braucht Zeit und Ruhe, sich an die neue Situation auch emotional zu gewöhnen.

Unterstützen Sie Ihre Partnerin also, wann immer es im Alltag geht. Vor allem eine gesunde Ernährung ist jetzt wichtig, damit Körper und Psyche wieder ins Gleichgewicht kommen. Vielleicht organisieren Sie Unterstützung beim Kochen und bei der Hausarbeit und bringen sich auch selber mit ein. Zeigen Sie Ihrer Partnerin, wie sehr Sie sich mit ihr verbunden fühlen – dann werden Sie das neue Leben als Familie bald genießen können.

 

Depressive Verstimmungen sind ganz normal

Depressive Verstimmungen nach der Geburt sind eine normale Reaktion auf die enormen Umstellungen. Wenn sie aber länger als 10 Tage andauern, sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme. Es könnte sich um eine postpartale Depression (PPD oder postnatale Depression) handeln. Hilfe finden Sie auch hier: Netzwerk Krise nach der Geburt, http://www.krise-nach-der-geburt.de

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